Frank van GroenFrank van GroenFrank van GroenFrank van Groen

Resonanzraum

Unordnung ist mehr als das bloße Gegenteil von Ordnung – sie ist ein Resonanzraum. In ihr beginnt etwas zu schwingen, das im strikt Geordneten oft keinen Platz findet: Freiräume, Möglichkeiten, Übergänge. Wo Strukturen brüchig werden, entsteht ein Zwischenraum, in dem Neues anklingen kann. 

Die Ordnung dieses alten Bahnhofs in der belgischen Wallonie ist längst Geschichte. Einst ein Knotenpunkt der Ordnung, ist er längst kein Ort geregelter Übergänge mehr, sondern ein Raum der Überlagerungen. Wo einst Fahrpläne und Signale den Takt bestimmten, bedecken nun Graffiti die Wände.

Die ehemalige Ordnung des Bahnhofs, die auf Funktion, Kontrolle und Zeitdisziplin beruhte, wird übermalt von individuellen Spuren. Namen, Symbole, Figuren.

Aber solange es keine gegebene Ordnung gibt, dominiert der Zustand der Freiräume und Möglichkeiten, in dem diejenigen aktiv werden, die mit diesem Zustand in Resonanz gehen. Der so entstandene neue Resonanzraum eröffnet eine neue, wilde und kreative Ordnung aus Linien, Zeichen und Botschaften, die keinem einheitlichen Zweck zugeordnet sind.

Der verfallene Bahnhof steht hier zwischen Erinnerung und Gegenwart. Er ist weder intakt, noch reines Chaos, sondern befindet sich in einem Übergang. In ihm wird erfahrbar, das die Welt nicht statisch ist, sondern ein Prozess des Wandels ist; und die Unordnung immer einer sich auflösenden Ordnung folgt.

Um diese Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, werden Cookies verwendet. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie auf der Datenschutzerklärung-Seite.